Schulseelsorge in Corona-Zeiten

Welche Akzente Pater Christian Hamberger bei seiner Arbeit für das Ringeisen-Gymnasium setzt

Rupert Strobl, Mittelschwäbische Nachrichten, Donnerstag, 1. April 2021

Seit Beginn des Schuljahres 2020/2021 hat das Ringeisen-Gymnasium in Ursberg einen neuen katholischen Schulseelsorger: Pater Christian Hamberger aus dem Kloster Roggenburg. Das sind mehr als 100 Schultage mit Präsenz- und Distanzunterricht und jetzt auch mit Wechselunterricht. Wie wichtig ist die Schulseelsorge in Corona-Zeiten? Im Gespräch berichtet Pater Christian über seine ersten Monate in der Schulseelsorge am RGU.

?? Pater Christian, wie muss man sich die Arbeit als „Schulseelsorger“ vorstellen?
Pater Christian: Eines der wichtigsten Dinge ist natürlich die Feier von Gottesdiensten. Aber Schulseelsorge ist noch viel mehr: Sie hat in den verschiedensten Angeboten den Einzelnen wie auch das menschliche Miteinander im Blick. Es ist ein Bereich an der Schule, bei dem es nicht um Leistung und Noten geht. „Jeder Mensch ist kostbar“ – diese christliche Überzeugung wollen wir leben und vermitteln. Schulseelsorge ist in weiten Teilen auch ökumenisch. Zusammen mit der evangelischen Pfarrerin Agnes Weishaupt, die in dieser Aufgabe schon länger am Ringeisen-Gymnasium tätig ist, macht dies richtig Freude. Wir sind ein super Team.

?? Wie hat sich die Schulseelsorge durch „Corona“ verändert? Kann Glaube durch Distanzunterricht, das heißt, digital, in gleicher Weise vermittelt werden wie sonst, wenn die Schüler und Schülerinnen im Klassenzimmer anwesend sind?
Pater Christian: Hier muss man vielleicht Glaubens- und Wissensvermittlung etwas differenzieren. Letztere hat ihren Platz vor allem im klassischen Unterricht. Wenn es darum geht, Glaubenszugänge anzubieten, kommen digitale Aktionen nicht an persönliche Begegnungen heran. Dennoch versuchen wir es, beispielsweise mit unserem Format „Pray Today“, einem täglichen spirituellen Morgenimpuls im Videoformat. Auch Lehrkräfte anderer Fächer bringen sich hier dankenswerterweise ein. Und es ist erfreulich, wie viele Schülerinnen und Schüler bereits darauf warten. Manchmal ploppen schon gegen 7 Uhr morgens erste Likes und positive Kommentare auf. Diese Art von Rückmeldung spornt uns unsererseits wieder an.
Wir nutzen aber nicht nur digitale Wege, sondern auch mal „analoge“. Mitten im Januar-Lockdown haben wir so zum Beispiel jedem Einzelnen aus unserer Schülerschaft eine Karte mit Fotos der leeren Klassenzimmer, der Aufschrift „Missing you here“ und den Unterschriften des gesamten Kollegiums postalisch zukommen lassen. Da haben unsere Sekretärinnen von ganz tollen Feedbacks erzählt.

?? Wird auch das Kirchenjahr in die Schulseelsorge mit einbezogen?
Pater Christian: Selbstverständlich! Zu Beginn der Fastenzeit gab es einen ökumenischen Gottesdienst zum Aschermittwoch per Livestream aus der Schulkapelle. Es laufen gerade spirituelle Angebote für Körper, Seele und Geist, ebenso praktische Aktionen. Zurzeit werden Postkarten gestaltet, um einsamen Menschen ein „Osterlächeln“ zu schenken. In Vorbereitung ist auch gerade eine Osterzeitung für unsere Schulfamilie mit geistlichen und auch lustigen Beiträgen.

?? Haben Sie schon Pläne für die nach „Corona“?
Pater Christian: Sagen wir eher, jede Menge Ideen: Mir schwebt beispielsweise ein großes jährliches Stifterfest oder auch eine Wallfahrt für die ganze Schulfamilie vor, das heißt, dass es auch schulpastorale Angebote für und mit den Eltern geben soll. Die Umfrage in einer Unterstufenklasse ergab, dass etwa bei der Hälfte auch Eltern oder Großeltern unseren Online-Gottesdienst mitgefeiert haben – wunderbar!

?? Der Prämonstratenser-Orden, dem Sie angehören, feiert heuer sein 900-jähriges Bestehen. Welche Verbindungen bestehen zwischen den Klöstern Ursberg und Roggenburg?
Pater Christian: Roggenburg wurde als Kloster 1126 von den damaligen Ursberger Prämonstratensern gegründet. Deswegen nennen wir Roggenburger Ursberg auch heute noch unser „Mutterkloster” und pflegen freundschaftlichen Kontakt mit der St. Josefskongregation.