Identität jenseits der Torquote
Identität jenseits der Torquote: Ex-Profi Manuel Bühler zu Gast mit seinem Projekt „Fussball mit Vision“ am Ringeisen-Gymnasium
Wie definiert sich der Wert eines Menschen, wenn das Flutlicht ausgeht? Dieser Frage gingen die 9. Klassen in einer besonderen Begegnung mit der Welt des Profisports und christlichen Werten nach.
Was bleibt übrig, wenn Erfolg, Applaus und Statussymbole wegfallen? Um diese existenzielle Frage drehte sich der Besuch von Manuel Bühler am Ringeisen-Gymnasium der St. Josefskongregation. Der Gründer des Projekts Fussball mit Vision und ehemalige Profi (u. a. 1. FC Nürnberg) zeichnete ein ungeschminktes Bild des Profifußballs: Ein Leben, das nach außen hin wie ein Traum wirkt, aber oft von Einsamkeit, Verletzungspech und dem harten Urteil der sozialen Medien geprägt ist. Wenn der „Traum vom Fußball“ zur inneren Leere führt, helfen materielle Güter nicht weiter. In diesen Momenten, so Bühler, stellten sich die wirklich großen Fragen.
Passend dazu zitierte er eine zentrale Stelle aus dem Matthäus-Evangelium (Mt 16, 26): „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“ Diese Worte bildeten die Brücke zu einem besonderen Gast: Per Videocall wurde Sima Suso von Fortuna Düsseldorf live zugeschaltet. Der U 20-Nationalspieler, der die vielfältigen Fragen der Schülerinnen und Schüler geduldig beantwortete, gab zu, an seinem trainingsfreien Tag um 9.30 Uhr aufgestanden zu sein. Anschließend habe er gefrühstückt und in der Bibel gelesen. Suso betonte Dankbarkeit darüber, sein Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Im Fußball sei der Druck aber dahingehend immens, weil man ständig bewertet werde. Deshalb sei ihm der Glaube als Fundament so wichtig. Dieser sei „ein Geschenk Gottes, für das man nichts gemacht hat oder etwas tun muss“. Sein Lieblingsvers der Bibel, Jos 1, 9 („Habe ich dir nicht befohlen: Sei mutig und stark? Fürchte dich also nicht und hab keine Angst; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir überall, wo du unterwegs bist.“), gebe ihm „einfach richtig viel Kraft“ – das sei schon in der Schule so gewesen und ziehe sich nun durch die Situationen des Profifußballs. Diese „Kraft im Herzen ist eine sehr starke Hilfe“ für jeden Moment, rundete Suso ab.


In einer Zeit, in der sich viele Jugendliche über ihre Leistung in Schule oder sozialen Netzwerken definieren, wirkte dieses Zeugnis besonders stark. Manuel Bühler ergänzte aus eigener Erfahrung, dass ihm besonders Joh 3,16 die Augen geöffnet habe: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“
Sowohl Bühler als auch Suso machten deutlich, dass der Glaube für sie die „entscheidende Konstante“ im schnelllebigen Fußballgeschäft sei. Diese Verankerung helfe ihnen, auch mit Niederlagen und Rückschlägen gelassener umzugehen.
Die authentische Art der beiden Sportler regte die Schülerinnen und Schüler sichtlich zum Nachdenken über die eigenen Prioritäten an. Zum Abschluss des Vormittags gab es für alle Interessierten die Kickerbibel. Das Werk, das neben dem Neuen Testament auch persönliche Glaubenszeugnisse vieler Fußballprofis enthält, wurde von Manuel Bühler vor Ort signiert.
Ein herzliches „Vergelt’s Gott“ geht an Manuel Bühler und Sima Suso für diesen ehrlichen Einblick, ihre Lockerheit und ihre Offenheit sowie ihre beeindruckende Glaubenszeugnisse, die den Schülerinnen und Schülern, aber auch uns anwesenden Lehrkräften, sicher noch lange in Erinnerung bleiben werden.
Text/Bilder: Dominik Koch



